Prof. Heisenberg

Haigerloch und Hechingen - die Wiege der deutschen Atomforschung ?
1943 wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik wegen alliierter Bombenangriffe auf Berlin nach Hechingen ausgelagert. Der Felsenkeller in Haigerloch, ein ehemaliger Bierkeller,  wurde für die Atomversuchsreihen ausgewählt, in denen durch Beschießen von Uran mit Neutronen eine sich selbsterhaltende Kettenreaktion in Gang gesetzt werden sollte. Der Nobelpreisträger Professor Heisenberg leitete das Forschungsvorhaben von Hechingen aus und fuhr meist einmal in der Woche mit dem Fahrrad nach Haigerloch (ca 15km). Die Arbeitsräume des Instituts waren in den Textilbetrieben Grotz und Conzelmann untergebracht. Im Sudhaus der stillgelegten Brauerei St. Luzen sollte ein Labor eingerichtet werden. Die Versuchsreihen in Haigerloch dienten nicht zur Entwicklung einer deutschen Atombombe sondern zur Erforschung der Atomenergie. Am Ende des 2. Weltkrieges wurde der Kernreaktor von den Amerikanern demontiert, man brachte die Wissenschaftler nach England  und hielt sie bis zum Januar 1946 dort gefangen.
(nach der Broschure “Atomkeller-Museum Haigerloch” der Stadt Haigerloch, dem Buch “Bewegte Tage in Hohenzollern” von Horst Joseph Kleinmann,
Webseite der Stadt Haigerloch zum Atomkeller.)

Der Felsenkeller diente zuvor dem Schwanen-Wirt als Bierkeller und wurde für monatl. 100 RM für das Forschungsvorhaben angemietetet. 1980 wurde das Atomkeller-Museum eröffnet und zeigt neben seiner Geschichte im Dritten Reich auch die Geschichte der deutschen Atomforschung von Otto Hahn, dem Entdecker der Uranspaltung (1938), bis heute.

Der Atommeiler ist nicht mehr im Orginal vorhanden. Er wurde von der amerikanischen Spezialeinheit Alsos 1945 abgebaut und in die USA gebracht. In mehreren kleineren Sprengungen wurde das Forschungslabor von den Amerikanern zerstört. Stadtpfarrer Gulde konnte eine große Sprengung im Felsenkeller verhindern, die vermutlich die darüberliegende barocke Schloskirche beschädigt hätte.

Der Reaktor wurde in ein etwa 3m tiefes Loch im hinteren Teil des Felsenkellers eingebaut. Zwischen der äußeren Betonwand und dem Leichtmetallkessel aus Aluminium, dem eigentlichen Atommeiler, befand sich normales Wasser für Kühlzwecke. Im Zentrum stand ein weiterer Kessel aus Magnesium, der mit “Schwerem Wasser” gefüllt war. Der Raum  zwischen diesem inneren Schwerwasserreaktorgefäß und dem äußeren Aluminiumkesslel war mit ca 10 Tonnen Graphitkohleblöcken gefüllt, die die freiwerdenden Neutronen abfangen und den Reaktor nach außen abschirmen sollten. Für den Versuch wurden 664 Uranwürfel in das Schwere Wasser eingetaucht, der Reaktor mit einem Deckel verschlossen und eine Neutronenquelle setzte die Uranspaltung in Gang. Eine erfolgreiche Uranspaltung würde zusätzlich Neutronen aus den gespaltenen Atomkernen freisetzen. Über Messsonden konnte diese Neutronenvermehrung eindeutig festgestellt werden, jedoch war der Haigerlocher Atomreaktor zu klein, um den sogenannten “kritischen Punkt” erreichen zu können. Beim Erreichen des kritischen Punkts läuft die Kernspaltung ohne künstliche Neutronenzufuhr selbständig als Kettenreaktion ab und würde sich ohne “Bremsung” zu einer Atomexplosion weiterentwickeln. Eine noch ausführlichere Beschreibung des Atomversuchs ist auf der Haigerlocher Webseite nachzulesen.

An der hinteren Felswand stehen Nachbauten der 3 Schwerwassertanks und des Reaktordeckels, auf der rechten Seite sieht man den originalen Aluminiumkessel, der bei den Sprengungen 1945 zerstört wurde.

Die 664 Uranwürfel, hier im Modell, wurden vor den Alliierten versteckt und vergraben. Sie wurden allerdings gefunden und abtransportiert. Die Uranwürfel hatten eine Kantenlänge von 5 cm und wogen zusammen um die 1.5 t. Das Uran stammte aus Deutschland und wurde von der Degussa bezogen, das Schwere Wasser stammte aus Norwegen. Ein Schaukasten zeigt noch 2 orginal Uranwürfel von 1945.